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Kulturelle Amateurvereine gestalten die Partnerschaft von Anfang an aktiv mit

Kulturelle Amateurvereine gestalten die

Städte-Partnerschaft von Anfang an aktiv mit

 

Ein mühsamer Anfang

Bereits im Jahr der Begründung der Städtepartnerschaft 1987 unternahm der Erlanger Stadtverband Bemühungen zur Kontaktaufnahme mit kulturschaffenden Vereinen in Jena. Zu diesem Zweck reiste vom 16. bis 18. Oktober 1987 eine 35-Köpfige Delegation unter Leitung des Vorsitzenden Karl Heinz Lindner nach Thüringen. Im Rahmen einer informativen Stadtführung in Jena durch eine angestellte Führerin und bei Gesprächen mit Leuten auf der Straße gewannen die Erlanger Vereinsvertreter erste Eindrücke von der neuen Partnerstadt. Die Stadtverantwortlichen allerdings ignorierten die Erlanger Besucher. So kam es auch nicht zu den erhofften Kontakten mit Jenaer Vereinen und Verbänden.

Im Rahmen einer offiziellen Delegation besuchten Karl Heinz Lindner, Helmut Eichler und Joseph Schmitt als Stadtverbandsvertreter Mitte November 1988 die thüringische Partnerstadt. Sie konnten dabei zwar private Kontakte vertiefen, mit Gruppen gab es aber kein Zusammentreffen.

Auch ein erneuter Vorstoß des Stadtverbandsvorsitzenden im März 1989 über den Partnerschaftsbeauftragten konnte das Anliegen nicht weiter befördern.

Reger Austausch kurz nach der Wende und in den ersten Jahren danach

Die Grenzöffnung im Herbst 1989 brachte die über Jahre ersehnten Kontakte dann binnen weniger Stunden. Zunächst gewährte der Stadtverband der Stadtverwaltung Unterstützung beim Betrieb des Ost-West-Bürgertreffs. Er war im Erlanger „Kulturtreff Helmstraße“ eingerichtet und diente als Wärme- und Kontaktstube bei der Bewältigung der Besucherströme in der Vorweihnachtszeit.  Der Kulturaustausch begann mit einem Auftritt der Jenaer Turmbläser auf dem Weihnachtsmarkt.

Ausgebuchte Fahrten mit dem Bus nach Jena - die erste am 3. Februar 1990, eine weitere am     31. März (mit dem Kabarettisten Klaus Karl-Kraus an Bord)  - brachten gute Kontakte mit Vertretern aus Jenaer Kulturvereinen und gemeinsame Unternehmungen für die Folgemonate konnten vereinbart werden.

Gemeinsam mit dem Stadtverband Sport und dem Stadtjugendring  wurde zum Tag der deutschen Einheit am 16./17. Juni 1990 der „Jenaer Tag“ mit einem großen Fest auf dem Erlanger Marktplatz begangen. Verschiedene Kultur-, Jugend- und Sportgruppen mit mehr als 200 Teilnehmern aus Jena bestritten zusammen mit Erlanger Vereinen unter starker Beachtung durch die Erlanger Bürger ein buntes Programm.

Noch im Jahr 1990 und insbesondere in den Folgejahren verlagerten sich die Aktivitäten zunehmend vom Stadtverband auf einzelne Mitgliedsvereine, woraus sich teilweise dauerhafte Partnerschaften und auch persönliche Freundschaften entwickelten.

Partnervereine finden sich und beflügeln das Zusammenwachsen

Erste Kontakte des Chorvereins 1847 Erlangen mit dem Volkschor Lobeda 1847 bestehen seit 1987 auf privater Basis zwischen dem damaligen Vorsitzenden des Erlanger Chores und dem früheren Lobeda-Chorleiter. Die beiden Chöre trafen sich erstmals im Mai 1990 mit Teilnahme am Bergsingen von Ammerbach (13 Chöre) und einem gemeinsamen Konzert beider Chöre im „Bären“ in Lobeda. Bis 1993 besuchten sich die Chöre wechselseitig in Jena und Erlangen, jeweils mit einem gemeinsamen Konzert. Durch die zahlreichen Begegnungen bis zu diesem Zeitpunkt sind persönliche Freundschaften entstanden, die individuell gepflegt werden. Die Verbindung auf Vereinsbasis beschränkt sich in den letzten Jahren auf besondere Ereignisse, wie beispielsweise Vereinsjubiläen.

Die Faschingsfreunde der „Brucker Gaßhenker“ mit dem „Jenaer Karnevals-Club“ JKC knüpften erste Kontakte bei den Besuch Jenaer Karnevalisten nach Öffnung der Mauer im November 1989 in Erlangen. Im Januar 1990 bereits gab es gemeinsame Auftritte der Gesellschaften bei den jeweiligen Prunksitzungen in Erlangen und Jena. Es folgten gegenseitige Besuche zu den üblichen Faschingsveranstaltungen wie Dämmerungen, Umzügen und Prunksitzungen, die nach einigen Jahren dann nachließen. Die letzten gemeinsamen Unternehmungen sind die Besuche der Prinzenpaar-Inthronisation im Jahr 2000 in Erlangen und 2004 in Jena.

Die Faschingsgesellschaften „Narrlangia Rot-Weiß“ Erlangen und „Lustiges Närrisches Treiben“ LNT Jena trafen sich erstmals im Januar 1990, eine ganze Reihe weiterer wechselseitiger Besuche schloss sich noch im selben Jahr an. Im Jahr 1991 wurde der begehrte gemeinsame Gesellschaftsorden „Karneval ohne Grenzen“ kreiert, der das vereinte Deutschland zeigt. Bis 1996 gibt es Karnevalsaustausch mit wechselnden Gruppen und Programmen. Verbindungen bestehen weiter, aber nur noch lose und zu besonderen Anlässen, wie Jubiläen, und auf privater Basis.

Einzelne Mitglieder des Deutschen Amateur-Radio-Clubs Ortsgruppe Erlangen und der Funkamateure Jena hatten bereits seit 1983 Kontakte bei vereinzelten privaten Besuchen – neben den funktechnischen Verbindungen. Nach der Wende gab es im Jahr 1990 intensive Kontakte, im März gründete sich der Ortsverband Jena, nachdem die Jenaer Funkamateure eine Unterorganisation der Gesellschaft für Sport und Technik waren. Die Aktivitäten haben sich nach 1990 schnell verflüchtigt.

Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins Erlangen-Dechsendorf nahmen in ihren bunten Trachten auf Einladung des Jenaer Volkskunst-Zirkels im Juni 1990 am „2. Jenaer Museumsmarkt“ teil. Beim Gegenbesuch im August 1990 gab es den gemeinsamen Auftritt auf dem Erlanger Marktplatzfest. Die Aktivitäten auf Vereinsebene haben sich über die beiden Begegnungen hinaus nicht weiterentwickelt. Einzelne persönliche Verbindungen bestehen und werden gepflegt.

 

- Brauchtumsgruppe des Heimat- und Verkehrsvereins Dechsendorf an den Spinnrädern

 

Kulturelle Amateurvereine gestalten die Partnerschaft von Anfang an aktiv mit

Bereits vor der Wende entwickelten sich im Jahr 1988 Kontakte zwischen der Jenaer Tanzgruppe „Schillebold“ und dem Erlanger Tanzhaus: Im November 1988 bei einem Workshop in einem Jenaer Studentenheim, im April 1989 beim Tanzfest von „Schillebold“ in Jena. Zum Mitmach-Tanzfest im Mai 1990 kamen neben „Schillebold“ auch „Zucker & Zimt“/Jena und weitere Tanzgruppen aus Ilmenau und Leipzig nach Erlangen. Nach der Wende zerfiel die Folklore-Szene in Jena, u.a. auch weil die Förderung weggefallen war. Man traf sich trotzdem – ungeplant – auf großen Tanzfesten in verschiedenen Städten im Osten und vereinzelt zu bestimmten Gelegenheiten in Erlangen. Persönliche Freundschaften gewährleisten lose Kontakte unter den Tanzgruppen.

Drei Partnerschaften halten noch heute intensiven Kontakt

Mit dem ersten Treffen an einem Wochenende im April 1990 wurde im Kosbacher Stad’l zwischen dem dort angesiedelten gemischten Chor und dem Singekreis Ziegenhainer Tal der Grundstein einer bis zum heutigen Tag anhaltenden,  großartigen Chorpartnerschaft gelegt. Zahlreiche gemeinsame Konzerte und Unternehmungen haben dazu beigetragen, dass Freundschaften entstanden sind, die nichts von der Herzlichkeit der ersten Stunden verloren haben. So weist die lange Liste der Begegnungen Konzerte auf dem Fuchsturm und beim Bergsingen in Jena, im Kirchhof der Ziegenhainer Kirche, in der Basilika Vierzehnheiligen, in St. Xystus/Büchenbach, im Kosbacher Stad’l und beim 20-jährigen Partnerschaftsjubiläum im Redoutensaal aus. Aber auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz, so bei Wochenenden in Jena und der Umgebung, auf dem Rennsteig, wiederholt in Mainfranken und im Kosbacher Stad’l. Derzeit sind beide Chöre auch schon in den Vorbereitungen zur musikalischen Ausgestaltung der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Partnerschaftsjubiläum am       3. Oktober in Jena.

 

- Kosbacher Stadl-Chor und Singekreis Ziegenhainer Tal gestalten die Feierstunde "20 Jahre Städtepartnerschaft ER-Jena" 2007 mit.

 

Kulturelle Amateurvereine gestalten die Partnerschaft von Anfang an aktiv mit

Der erste Kontakt zwischen den Erlanger Foto-Amateuren EFA und dem Fotoclub Unifok“ Jena geht auf schriftliche Vermittlung des Erlanger Kulturamtes unmittelbar nach dem Fall der Mauer im November 1989 zurück, bevor es zum ersten persönlichen Kennenlernen im Frühjahr 1990 in Jena kam. Es folgten zahlreiche gegenseitige Besuche mit Workshops und Fotoausstellungen, oft mehrmals im Jahr, die bis heute anhalten. So bei gemeinsamen Wochenenden in den Partnerstädten oder deren Umgebung, aber auch längere Aufenthalte wie zwei gemeinsame Wochen in Südschweden (2007) oder eine Woche in Heijnice/Isergebirge, CZ (2009). Besonders erwähnenswert ist auch die Bereicherung der Jubiläumsveranstaltungen der Städtepartnerschaft durch umfassende Fotoausstellungen. Zahlreiche Freundschaften haben sich unter den Fotofreunden entwickelt.

 

- Die Mitglieder von EFA und Unifok bei einem gemeinsamen Wochenende in der Nähe von Eisenach

 

Kulturelle Amateurvereine gestalten die Partnerschaft von Anfang an aktiv mit

Naturfreunde aus den beiden Partnerstädten trafen sich ab Februar 1990 zu gemeinsamen Wanderungen in Jena, Ludwigstadt und in der Fränkischen Schweiz. Auf Erlanger Seite sind dies die Naturfreunde, auf Jenaer Seite die „Domey Wanderer“, die Wandergruppe „Paul Patzer“ und die Jenaer Naturfreunde. Gegenseitige Besuche in den jeweiligen Vereinsheimen in Jena und Erlangen festigten in den ersten Jahren bis 1994 die Gemeinsamkeiten. Anschließend verfestigte sich die Partnerschaft der Erlanger Naturfreunde mit der Wandergruppe „Paul Patzer“ durch Treffen im Rahmen der Partnerschaftsreisen anlässlich des Tages der deutschen Einheit, meist in Jena. Die letzte gemeinsame Unternehmung gab es zum 50-jährigen Jubiläum der Wandergruppe „Paul Patzer“ 2010 bei der historischen Wanderung der Patzer’s in Jena.

Kultur schafft nachhaltige Verbindungen mit unterschiedlichen Intensitäten

Kulturvereine haben in den so unterschiedlichen Phasen der 25-jährigen Städtepartnerschaft Erlangen - Jena beigetragen, dass sich die Städte-Verbindung zu einer echten Bürgerpartnerschaft entwickelt hat. Insbesondere in der Zeit der Wende und den ersten Jahren danach, haben zahlreiche Begegnungen ganz schnell geholfen, die ehemals unmenschliche Grenze zu überwinden und Menschen mit vergleichbaren Talenten und Neigungen zusammenzubringen. Auch wenn die geknüpften Verbindungen heute auf Vereinsebene teilweise nicht mehr allgemein erkennbar sind, so wirken sie doch in zahlreichen persönlichen Freundschaften fort, die ohne große Öffentlichkeitswirkung gepflegt werden.

 

- Der Blasmusikverein Carl Zeiss Jena beim Standkonzert auf dem Erlanger Hugenottenplatz anlässlich des 20-jährigen Partnerschaftsjubiläum 2007

 

Kulturelle Amateurvereine gestalten die Partnerschaft von Anfang an aktiv mit

Besonders erfreulich ist, dass auch nach Einkehr des deutsch-deutschen Alltags sich an drei Stellen die Vereinspartnerschaften erhalten und gefestigt haben und die Städtepartnerschaft auf den Gebieten des Chorgesanges, der Fotografie und der aktiven Betätigung in der Natur bereichern. Dies verdient die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihren Unternehmungen auch immer wieder entgegengebracht wird.

Der Stadtverband der Erlanger Kulturvereine hat sich zum Ziel gesetzt, auch weiterhin Begegnungen seiner Mitgliedsvereine mit ihren Partner aus der Patenstadt Jena nach Kräften zu fördern. Die von beiden Städten am „Tag der deutschen Einheit“ jeweils wechselseitig organisierten Partnerschaftstreffen sind willkommene Gelegenheiten dazu.

Georg Gebhard

Februar 2012

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